Was sind Deine Ziele als künftiger Unternehmer, als Freiberufler? lautet eine Themenblock in der Findungsphase meiner Mentees… was folgt sind professionelle psychologische Persönlichkeits- und Motivationsanalysen. Das erstaunliche, die allermeisten Menschen, die wir begleiten, kommen zu dem Ergebnis, dass sie UN-ABHÄNGIG sein wollen. Nur sehr wenige nennen Freiheit als ihr Ziel.

Fragt man in die Thematik UN-ABHÄNGIG genauer rein, folgen Antworten wie: UN-ABHÄNGIG vom Arbeitgeber, UN-ABHÄNGIG von Arbeitszeiten, UN-ABHÄNGIG von Raum und Zeit.

Auf die Frage, ist das UN-ABHÄNGIG sein oder FREI sein, ernten wir immer wieder verblüffte Gesichter.

Warum wählt man unterbewusst spontan die UN-ABHÄNGIG und nicht die Freiheit?

Die Antwort liegt in dem Wort UNTERBEWUSST und in diesem unserem Unterbewusstsein werden nicht nur 95 Prozent unserer tagtäglichen Prozesse gesteuert sondern auch das Wissen unserer Kultur getragen.

Blicken wir in unserer Kultur über viele Jahrhunderte zurück. Sehen wir Menschen, die sich im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte oft in dramatischer Weise AB-HÄNGIG waren. Von der Natur, von Göttern und Dämonen, gefolgt von der Strafe des jüngsten Gerichtes und dem allmächtigen christlichen Gott. Vor allem diese AB-HÄNGIGKEITEN wurde als Demütigung und Erniedrigung erlebt, was sich bis heute trägt.

Da reicht ein Blick in die aktuelle Bildungs-, Gesundheits- und Arbeitswelt – und die am Rande erwähnten und dennoch präsenten christlichen Werte.

Deshalb gibt es UNTERBEWUSST kein größeres mentales Ziel als die AB-HÄNGIGKEIT. In unserer Kultur bedeutet ABHÄNGIGKEIT vor allem Minderwertigkeit und UN-ABHÄNGIGKEIT bedeutet Freiheit.

In dieser Szenerie liegt eine tiefsitzende Illusionen der Selbstaufwertung.

Zunächst fühlt sich der Gedankengang für meine Gründer gut an! Kein Chef mehr, keine „nervenden Kollegen“, mehr Zeit für mich und meine Selbstverwirklichung und Selbstaufwertung. Keiner DEMÜTIGT MICH, keiner ERNIEDRIGT MICH, keiner BESTIMMT MICH und das macht mich UN-ABHÄNGIGKEIT.

Paradoxer Weise ist es so, dass unsere Gründer hochmotiviert, mit nahezu utopischen Vorstellungen über ihr Leistungsvermögen zu uns kommen, um damit schneller – vor allem finanziell UN-ABHÄNGIG zu werden.

Behandlungen im 30 Minutentakt, am besten fünf bis sieben Klienten am Tag, ein bis zwei Designemtwürfe sind am Tag machbar, Internetseiten sind schnell programmiert, das schaffe ich zehn im Monat und dass sind dann mal schnell 20000 Euro pro Monat … Uff!

Der Glaube und der Wunsch nach UN-ABHÄNGIGKEIT gibt das Tempo vor: Je mehr und intensiver gearbeitet wird, also 60 Stunden Woche und am besten in den ersten drei Gründungsjahren ohne Urlaub. Mann muss erstmal Opferbringen und richtig durchochsen.-

Und dann?

Statt „nervender Kollegen“ und „bestimmender Chefs“ – werden plötzlich aus den wichtigsten Verbündeten, den Kunden – „nervende und bestimmende Kunden“. Du fühlst dich GRDEMÜTIGT, ERNIEDRIGT und BESTIMMT, und ABHÄNGIGER als je zuvor.

Ein solches Sein muss natürlich ein Maß an Unzufriedenheit mit sich bringen, weil sie ja dem innersten Wunsch nach UN-ABHÄNGIGKEIT entgegensteht.

Und der Erfolg? Es er-folgt folgendes: Abhängigkeiten werden zunehmend in allen Lebensbereichen als negativ und unangenehm erlebt. Als Reaktion stellen wir uns DEGEGEN oder werden aggressiv…

Spätestens jetzt sind wir an dem Punkt der hängenden Ohren und bei der Frage: Kann ich jemals UN-ABHÄNGIG oder FREI sein? Lohnt es sich meiner Berufung zu folgen und aus der scheinbaren ABHÄNGIGKEIT auszutreten?

Wir lassen diese Frage wirken … und bilden den nächsten Impuls mit diesem Satz

Ich will nicht mehr…ABHÄNGIG sein… drückt das Streben nach UN-ABHÄNGIGKEIT aus. Ich vermeide alles was mich abhängig macht und begebe mich in meinen Gedanken in Opposition – in ein DAGEGEN.

Was folgt ist ein Vermeidungsmuster mit einem negativem Wesenskern. Hier wirken dann gleich mehrere Gesetzmäßigkeiten: Gleiches zieht gleiches an und die Energie folgt der Aufmerksamkeit.

Ein negatives Muster wird immer Negatives hervorbringen, anders ist es gar nicht möglich.

Fragezeichen ???

Bei Fragezeichen helfen Bilder und Beispiele:

Hauptangst der Gründer: Angst vor dem Pleite gehen – oftmals bevor das Business überhaupt gestartet wurde. Was passiert, wenn ich mich diesem negativen Thema hingebe?

Wenn ich nicht pleite gehen will, beginne ich, mich unentwegt mit meinem Mangel zu befassen, da ich diesen ja vermeiden will. Ich beginne geradezu, Mangel anzuziehen. Ich erlebe Phasen der Existenzangst, vorher, z.B. als Angestellter noch gar nicht kannte. Ich besorge mir Kredite, mache halbherzig Aufträge oder gehe bewusst zurück ins Angestellt sein – um mich wieder UN-ABHÄNGIG zu fühlen.

Greifen wir die Frage vom Beginn noch einmal auf :

Warum wählt man unterbewusst spontan die UN-ABHÄNGIG und nicht die Freiheit?

Unsere Idee dazu: Weil der westliche Mensch hier auf Grund seiner Geschichte und seiner Kultur einem Irrtum aufgesessen ist!

Das gesamte Leben ist ABHÄNGIG KEIT – im Mikro und im Makro. Es ist natürlich ABHÄNGIG zu sein. Ohne ABHÄNGIG KEITEN wären wir niemals geboren worden und hätten uns niemals entwickeln können. Wir als soziale Wesen sind abhängig von Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Wertschätzung – von unserem Inneren und sämtlichen Faktoren in unserer Mitwelt.

Wir sind weder in einem Cocon eingehüllt, noch sind wir alleine auf dieser Welt.

Das illusorische Streben nach UN-ABHÄNGIG ist ein ständiger Kampf gegen das Leben selbst und
wird weiterhin zur Unzufriedenheit Führen – auch als Selbstständige!

Es gibt keine UN-ABHÄNGIG! UN-ABHÄNGIG ist eine Illusion – ein Wunschdenken unserer Kultur.

Anders gelagert ist die Motivation „FREI sein“.

Frei sein, im Sinne von Freiheit bedeutet ich übernehme Verantwortung für mich Selbst. Ich kenne meine Abhängigkeiten, weil ich sie selbst verantwortet gewählt habe. Ich bin Frei, weil ich jeden Tag bewusst von neuem wählen kann.

In dieser Freiheit erkenne ich an, dass es kein bedingungsloses Leben gibt und deshalb keine Un-Abhängigkeit. Leben ist immer bedingt.

Das mach nicht FREI! FREI, um aus meiner Kreativtät zu schöpfen! FREI um Selbstbestimmt zu leben!

JA, so will ich es!